Unterwegs zu Kunden: Die Mitarbeitenden der Kurt Neuberger KG kämpfen um jeden Auftrag.
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Der Wendepunkt. Erich Becker tritt bei KNF ein

Anfang der 1960er Jahre scheint die Lage der Neuberger KG aussichtslos. Nachdem das Geschäft mit der Motoreninstandsetzung nach und nach weggebrochen war und die Werkzeugherstellung immer mehr Probleme mit sich brachte, fehlte es an einer langfristigen Perspektive. Das änderte sich mit dem Geschäftseintritt von Erich Becker. Der bisher freiberufliche Ingenieur erkannte nicht nur, dass sich die Firma in einer Sackgasse befindet, er fand auch einen Ausweg: Nur ein neues Produkt, eine komplette Neuausrichtung konnte die Firma vor dem Bankrott retten. Trotz der schwierigen Ausgangslage stieg er bei der Neuberger KG als Partner ein und machte sich auf die Suche nach einer neuen Geschäftsgrundlage. So stieß er auf die Membranpumpe. Doch bis diese Idee erstmals Geld einbrachte, war es ein mühsamer Weg.

Freiburg, 1962. Erich Becker hat einen Stapel mit Reklamationen vor sich auf dem Tisch liegen. Eine seiner ersten Aufgaben bei KNF ist es, die Probleme in der Produktion der Gewindeschneidmaschine in den Griff zu bekommen. Je mehr er in das Geschäft eintaucht, desto klarer wird ihm, dass die Neuberger KG weder über genügend finanzielle Mittel noch die nötige räumliche Ausstattung verfügt, um mit Werkzeugmaschinen dauerhaft Erfolg zu haben. „Etwas Kleines müssten wir herstellen“, überlegt er. „Ein Produkt, das keinen Reparaturdienst-Service benötigt und das vielleicht 5 bis 6 kg wiegt, damit man es verschicken kann.“

Die Lösung liegt näher als gedacht. Damals montiert die Neuberger KG Membranpumpen in Lohnarbeit. Diese Pumpen werden in medizinischen Inhalations- und Absauggeräten sowie Sprudelbädern eingesetzt. Wie es der Zufall will, sucht die Firma Wall einen neuen Produktionsstandort – und KNF hat Produktionskapazitäten frei. Später wird der Neuberger KG die Firma zum Kauf angeboten. Für Erich Becker liegen die Vorteile der Membranpumpe klar auf der Hand: der wartungs- und ölfreie Betrieb, das geringe Gewicht, die potenziell vielfältigen Einsatzbereiche zum Beispiel in Laboren oder der Industrie. Doch zunächst wird er mit vielen neuen Problemen konfrontiert. Kurz nach Übernahme des Pumpen-Herstellers sitzt Erich Becker wieder einmal vor einem Stapel Kunden-Reklamationen. Das gibt den Anstoß, die Pumpen grundlegend zu verbessern.

Die Montage: Mit viel Geschick werden die einzelnen Komponenten miteinander verschraubt.
Die Montage: Mit viel Geschick werden die einzelnen Komponenten miteinander verschraubt.

In einem Schuppen hinter dem eigentlichen Geschäftsgebäude in der Habsburgerstraße beginnt Erich Becker mit Heinz Riedlinger zu konstruieren und zu tüfteln. Es gelingt ihnen, die Belastung auf die Membrane zu verringern und so die Lebensdauer zu erhöhen – eine der größten Schwachstellen der Membranpumpe. Sie erreichen auch eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber den bisherigen Membranpumpen. Noch einige weitere clevere, technische Kniffe bringen KNF 1966 das erste Patent ein. Und bald haben sie eine eigene Pumpenreihe: AEROMAT.

Hoffnungsprodukt: Mit der Membranpumpe AEROMAT AL17 will Erich Becker den Durchbruch schaffen.
Hoffnungsprodukt: Mit der Membranpumpe AEROMAT AL17 will Erich Becker den Durchbruch schaffen.

1966 stirbt Kurt Neuberger. Erich Becker übernimmt die alleinige Geschäftsführung. „Das Hauptziel damals war, die Firma am Leben zu erhalten“, erinnert sich Erich Becker heute an diese Zeit des Umbruchs. „Daraus ergab sich auch das nächste Ziel, den Membranpumpen im industriellen Bereich zum Durchbruch zu verhelfen.“ Doch die Skepsis gerade in der Industrie ist nach wie vor groß. Mit der ersten Vakuumpumpe AL15 will Erich Becker zunächst den Einstieg in das Laborgeschäft schaffen. Doch aller Anfang ist schwer und das Geld immer knapper.

Fast jeden Sonntag – für Erich Becker der Beginn einer langen Arbeitswoche – setzt er sich in sein Auto und fährt durchs Land. Er klappert Laborhändler ab, stellt seine Pumpen vor, sammelt Informationen und knüpft Kontakte. Er und seine Mitarbeitenden freuen sich über jeden noch so kleinen Auftrag. Doch selbst für die Verpackung der Pumpen fehlen die finanziellen Mittel. Deshalb fährt Mitarbeiter Alexander Gagg regelmäßig mit dem VW Kombi zu einem Pharmaunternehmen und sammelt dort Karton-Abfall und Holzwolle ein. Die ersten KNF Pumpen werden mal in kleineren, mal in größeren Kartons verschickt – je nachdem, was Alexander Gagg bei seiner Sammeltour findet.

Platzmangel: In der Habsburgerstraße wird auf engstem Raum gearbeitet.
Platzmangel: In der Habsburgerstraße wird auf engstem Raum gearbeitet.

Gleichzeitig arbeitet Erich Becker weiter mit Heinz Riedlinger an der Optimierung der Pumpen. Mit Erfolg: Die Picco-Pumpe, die N25, mit einer Förderkapazität von 20 Litern pro Minute und einem Endvakuum von 20 Millibar, setzt sich im Laborbereich durch und ersetzt vielerorts die dort gängigen Wasserstrahlpumpen.

 

Und auch der lang ersehnte Durchbruch in der Industrie sollte nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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